Archive for the ‘Globalisierung’ Category

Post-Demokratie in Italien und Griechenland ganz praktisch – Eine Regierung der Banken, von den Banken, für die Banken

Monday, November 21st, 2011

Der lange heraus gezögerte Schuldenschnitt in den GIIPS-Staaten im Sinne eines Schulden Audits nach dem historischen Vorbild Ecuador ist das vielleicht drastischste Beispiel einer Politik ganz im Sinne der Banken. Der Schuldenschnitt, so wie er nun im Moment für Griechenland verabredet wurde tut den Banken, zumal denen in Deutschland, kaum weh. Denn die 50 Prozent Schuldenschnitt beziehen sich auf den nominalen Wert der Schulden. Die Regierungen haben den Banken nun garantiert, dass sie die restlichen 50 Prozent der Nominalschulden erhalten. Dies ist wesentlich mehr als die teilweise nur noch 30 Prozent des ursprünglichen Wertes, der heute an den Börsen für 10-jährige Staatsanleihen Griechenlands gezahlt wird. Am Ende bringt den Banken also der angebliche „freiwillige Schuldenschnitt“ mehr Geld ein, als was sie am freien Markt erhalten würden. Es fehlt weiterhin eine ordentliche Regulierung der Märkte, ganz zu schweigen von der Tobin Steuer, oder der Lösung des Problems des too-big-too-fail Banken. Bei all der ungebremsten Lobbykraft des Finanzsektors und der fehlenden Schwäche der Linken ist dies vielleicht nicht erstaunlich – es wird noch ein langer Weg sein.

(more…)

Finance Watch ist das neue Cross-Over-Projekt in Brüssel

Monday, March 7th, 2011

Die Weltwirtschaftskrise ist nun schon einige Jahre alt, viele Millionen Menschen sind in die Arbeitslosigkeit gestürzt worden, der Hunger hat weltweit zugenommen, und die Frage ist: haben die Regierungen aus der Krise gelernt? Sind die Regierungen aus der Schockstarre erwacht, und haben jenseits ihrer zwar richtigen, aber doch leider sehr unzureichenden Konjunkturprogramme systemische Änderungen beschlossen? Sieht man sich an, was die Regierungen der großen Volkswirtschaften bisher auf den Weg gebracht haben, dann kann man leider nicht umhin kommen zu sehen, dass wir alle gemeinsam auf die nächste Krise zusteuern. Der Kern des Problems: die Verselbständigung des Finanzsektors gegenüber der Realwirtschaft, ist bisher nicht gelöst worden.

(more…)

Handeln für die Transformation unserer Gesellschaften

Tuesday, November 23rd, 2010
“Handeln für die Transformation unserer Gesellschaften – Beispiele aus den verschiedenen Weltregionen”, RLS-Seminar in Brüssel, 6. Oktober 2010

Die besprochenen Projekte: Grundeinkommen (Herbert Jauch, Namibia), Bank des Südens (Pedro Páez, Ecuador), The Right to Work (Sandeep Chakra, Indien), Verankerung von sozialen Grundrechten in Verfassungen (Südostasien), und die Transformation des Automobilsektors (Michael Brie,  Deutschland). Siehe vollständiger Bericht hier.

Einstiegsprojekte in eine solidarische Politik

Wednesday, October 6th, 2010

Einstiegsprojekte in eine solidarische Politik: Radikaler Praxistest der Gegen-Hegemonie in den Zeiten der Krise des neoliberalen Finanzmarkt-Kapitalismus – Von Michael Brie

Analysiert man Antonio Gramscis Hegemoniekonzept, so kann man ein »magisches Viereck« erkennen, dass gesellschaftliche Kräfte bilden müssen, um die Herrschenden erfolgreich gegenhegemonial herauszufordern: Erstens müssen sich die Möglichkeiten einer neuen und höheren gesellschaftlichen Produktivität abzeichnen. Die alten Macht- und Eigentumsstrukturen müssen sich als Fesseln neuer produktiver Kräfte erweisen lassen. Zweitens geht es um individuelle Lebenschancen. »Die« Gesellschaft oder »die« Klassen tun nichts, sondern es sind immer konkrete Menschen in konkreten Gruppen, die das Risiko des Anders-Handelns auf sich nehmen oder sich im verweigern. Drittens bedarf es einer Verbindung widerstreitender Interessen, eines historischen Kompromisses, der sehr unterschiedliche oder sogar gegensätzliche Klassen und soziale Gruppen verbindet. Dies alles ist aber viertens nichts ohne eine neue moralische Grundlage, ein überlegenes Wertesystem. Weiterlesen auf der Website des Artikels

Europa muss sich seiner eigenen Kultur bewusst werden

Wednesday, July 14th, 2010

Von Luciana Castellina – Ich möchte meine Rede mit einer Bemerkung beginnen, die keinen direkten Bezug zu „Kultur“ hat, aber ich denke, dass man an einer etwas dramatischen Feststellung nicht vorbeikommt: Wir erleben derzeit einen Niedergang Europas und der Rolle Europas. Es fehlt die Dynamik; die Bürger verstehen die EU nicht.

(more…)

Walden Bello: Politik des Hungers (Buchbesprechung)

Monday, June 28th, 2010

In den Jahren 2006 bis 2008 stiegen die Nahrungsmittelpreise gegenüber 2000 um das Dreifache. Das bedeutete 75 Mio. Hungernde mehr und 125 Mio. Menschen, die zusätzlich in die extreme Armut gedrückt wurden. In 30 Ländern über den ganzen Globus verteilt kam es zu gewaltsamen Hungerrevolten. Wer war für diese katastrophalen Entwicklungen verantwortlich? Walden Bello liefert in seinem Buch „Politik des Hungers“ die Antworten darauf.

(more…)

Die Widersprüche linker Regierungen in Lateinamerika angesichts der Zivilisationskrise

Wednesday, April 21st, 2010

Edgardo Lander/Venezuela, April 2010 – Die Zivilisationskrise und die Grenzen, an die der Planet geraten ist, erfordern radikale Alternativen zum Paradigma des Fortschritts und der Ausbeutung der Natur. Eine antikapitalistische Perspektive ist unerlässlich. Die kapitalistische Akkumulationslogik erzwingt eine ständige Expansion des Kapitals in neue Gefilde; der Prozess kapitalistischer Landnahme erfolgt durch die Aneignung neuer «Ressourcen»: Energieträger, Märkte und Arbeitskräfte. Dieses Modell grenzenlosen Wachstums ist mit menschlichem Leben auf diesem Planeten nicht länger vereinbar. Doch Antikapitalismus allein reicht nicht aus. Obwohl Kapitalismus das wirkmächtigste historische Beispiel für die Ausbeutung einer Gesellschaft, für ungehemmtes Wachstum und die Vernichtung der Lebensgrundlage darstellt, wirkt diese Logik über den Kapitalismus hinaus. Das sowjetische Beispiel hat gezeigt, dass auch eine Gesellschaft ohne Privateigentum entwicklungszentriert, produktivistisch und räuberisch sein kann.

(more…)

Eine zweite große Transformation und die Linke

Friday, February 5th, 2010
Von Dieter Klein

Mein Ausgangspunkt ist die Frage nach dem historischen Ort der gegenwärtigen mehrdimensionalen Krise. Die Schwierigkeit einer Antwort darauf besteht darin, dass die Bedeutung einer geschichtlichen Situation für jene, die mitten in ihr leben, in der Regel schwer zu erfassen ist. Umso größer die Verantwortung der Intellektuellen, sich einer solchen Frage zu stellen.

Meine These ist: Die jüngste Gesellschaftskrise, die mit dem Abklingen der Finanzkrise und der Überwindung der Weltwirtschaftskrise keineswegs beendet sein wird, könnte als Beginn eines fundamentalen Einschnitts in die globale Entwicklung verstanden werden. Auf die historische Agenda gerät nach der Großen Transformation, die Karl Polanyi in seinem Werk „The Great Transformation“ analysierte, nicht weniger als eine zweite Große Transformation, die alle Sphären des gesellschaftlichen Lebens auf der Erde umwälzen wird.

Die erste Große Transformation umfasste den Übergang von Feudalismus, von der kleinen Warenproduktion, der Subsistenzwirtschaft und anderen vorkapitalistischen Formen zur kapitalistischen Warenproduktion. Im Ergebnis dieses Prozesses von mehr als 300 Jahren (Kossok, 1988: 42) dominiert der Profit die Wirtschaft und die Gesellschaft, ist die Wirtschaft nicht mehr in die Gesellschaft eingebettet, sondern ist diese der Wirtschaft unterworfen. Die Natur ist der Kapitalverwertung einverleibt, als sei sie grenzenlos verfügbar und als könnten die ökologischen Gleichgewichte beliebig und folgenlos dem kapitalistischen Wachstum geopfert werden.

(more…)

Die Märkte regulieren! Finanzkrise und Arbeitsmarkt

Tuesday, November 10th, 2009

Roland Kulke/Brussels, 10 Nov. 2009 - “Regulate the Markets! A High Level Conference on the financial Crisis and its Repercussions on the Labour Market”, 9 November 2009, organisiert von der Österreichischen Arbeiter Kammer Büro Brüssel und der Österreichischer Gewerkschaftsbund Europabüro.

(more…)

Die Mehrdimensionalität der Weltkrise und mögliche Alternativen

Tuesday, April 14th, 2009

Von Francois Houtart, Belgien – Wir sehen uns heute mit einer mehrfachen Krise konfrontiert, deren Ursprünge und Auswirkungen ich gerne analysieren möchte. Darüber hinaus möchte ich aber den Blick auf eine Utopie lenken, auf die Frage: Wie könnten wir uns in der Lösung dieser Krise über die Parameter des Kapitalismus hinaus bewegen?

1. Die Dimensionen der Krise

Es handelt sich hier nicht nur um eine Finanzkrise, auch wenn dieser Aspekt aus naheliegenden Gründen die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Vielmehr sprechen wir auch von einer Wirtschaftskrise, die zu einer Weltwirtschaftsdepression mit allen dazu gehörenden sozialen Folgen führen könnte. Darüber hinaus erleben wir eine Lebensmittelkrise, eine Energiekrise und eine Klimakrise. Letztlich legt eine Analyse der allgemeinen Situation nahe, dass wir tatsächlich eine Krise der Zivilisation vor uns haben.

(more…)